Autor Thema: BSG Chemie Leipzig "Historisches"  (Gelesen 42616 mal)

Offline Klemme66

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #90 am: 02. Mai 2020, 15:39 »
Daher frage ich. Mit Union gabs ja teilweise ganz heftige Auseinandersetzungen in Leipzig und Berlin. Beim Relegationshinspiel 84 im Berliner Stadion „An der Alten Försterei“ hat ein Teil der Chemiefans  vorm Spiel die Unioner wohl als Retourkutsche am/im eigenen Stadion ziemlich vermöbelt und abgezogen. Nach Abpfiff hagelten Steine auf den Gästeblock und so ziemlich jeder wutentbrannte Unioner wollte den etwas über 1.000 Chemikern ans Leder. Chaos vorm Stadion. Man wurde dann wohl zum Teil mit Transport-LKWs („Überfaller“ genannt) nach Berlin-Schönefeld transportiert und in den Sonderzug verfrachtet. Nach ein paar Hundert Metern blieb der Sonderzug wieder stehen. Der Lokführer hatte einen Herzinfarkt so die Erzählungen...  :chron

P.S. Was war eigentlich mit dem Unioner, der durch einen Stein schwer verletzt wurde als deren Sonderzug am alten Leutzscher Bahnhof massiv mit Schottersteinen beworfen wurde? Da gabs doch auch eine Geschichte dazu?!

Wenn man im Nachhinein ehrlich ist, kann man da nicht irgendwie von einer Revanche im ausgeglichenen Sinne zum Pokalspiel reden. Wo der Sonderzug ankam, warteten wir auf die S-Bahn, da waren paar Unioner drin, da gabs paar Schellen, paar Schals wurden ohne große Gegenwehr abgezogen. Im Stadion waren es eben dann noch einige leichtsinnige Unioner, die durch den Chemieblock laufen mussten, um dann ihren Schärpen oder Schals entkleidet wurden. Aber alles relativ human, es gab auch keinen Blocksturm oder ähnliches. Also keinen Vergleich, wie die Unioner bei uns aufgetreten waren. ABer in Anbetracht des heißen Pflasters Wuhlheide war es schon ein frecher Auftritt. Die meisten Truppen waren bei Union nur im zweistelligen Bereich vertreten.

Offline Scherben und Steine

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #91 am: 02. Mai 2020, 16:27 »
Beim Oberligaspiel 1980 standen die Unioner auch schon provokativ neben dem Chemie-Fanblock, der an diesem Mittwoch leider auch viel kleiner als sonst war. Teilweise standen die aber auch an der Ecke zwischen Nordamm und Dammsitz. Laut Erlebnis Fußball sollen angeblich mal Anfang der Siebziger 5000 HFC Fans auf dem Norddamm gestanden haben. Geschichte der HFC-Fanszene. Da war der Chemie-Fanblock noch neben dem Vereinshaus. Aber was die Halunken schreiben, muss jetzt nicht unbedingt stimmen, zumal die sowieso mit den Zahlen etwas übertrieben haben.

Den Wechsel vom Block am Spielereingang/Haus zum Norddamm war nach dem Spiel gegen Vorwärts Leipzig im September/Oktober 1971.

Bei den Halunken ist hier aber garantiert eine Null zu viel - niemals 5.000. Außerdem - zugegeben, jetzt lehne ich mich weit aus dem Fenster - standen auswärtige Zuschauer immer im Bereich Haupteingang, hinterm dem dortigen Tor.

Außerdem hatten um 1970 die wenigsten Vereine Schlachtenbummler/Fans wie wir. Das waren eher normale Zuschauer. Jedenfalls ist es im höchsten Maße unglaubhaft, dass einige Tausend weiß-rote auf dem Norddamm standen. Bei dem berüchtigten Union-Pokal-Spiel im Okt. 1981 waren es ca. 1.500, bestimmt keine 2.000 Unioner, die auf dem oberen Damm standen. Unten konnte niemand stehen, weil es Flaschen regnete.

Scharmützel? ich habe - nachdem wir den letzten Elfmeter versenkt hatten - eine panische Massenflucht in Erinnerung. Handfeste Kloppereien gab es, jedoch immer wieder während des Spiel. Von unserer Seite waren es diejenigen, die sich dann größtenteils 1983/84 (?) um die FSF organisiert haben.

Ich habe eine abgrundtiefe Abneigung gegen Gewalt. Aber man muss schon sagen, dass die ca. 20-25 grün-weißen "Todesmutigen" während des Spiels immer wieder hoch sind und dort versucht haben, etwas aufzumischen. Voll auf Angriff. Manche von denen sind ja gelegentlich immer noch in Leutzsch auf dem Dammsitz zugegen.

Unvergessen bleibt ein Ereignis auf dem Hbf., wo drei oder vier Unioner einem halbwüchsigen Kind den Schal wegnehmen und wo ein Chemiker, der gegenwärtig noch bei uns ist und eine nicht ganz unwichtige Funktion ausübt, zwei Unioner wegdonnert und die anderen in die Flucht geschlagen hat.

Ich hoffe, dass ich jetzt die eine oder andere Gewaltphantasie befriedigen konnte.  :ren

Gera. M.E. standen in Gera drei (lange) Sonderzüge bereit. Endstation war leutzsch (was bei der Strecke Zeitz-Gera )normal war, bayerische Bhf. (da bin ich gelandet) und eben LE Hbf. - Dass zwei Sonderzüge eingefahren sind, halte ich nicht für unmöglich. Irre. jedenfalls wusste ich dies nicht. Um so mehr kann man sich nach 37 Jahren ärgern, dass für mich am Bayr. Bf. "Schluss" war. (war es natürlich nicht)




Offline Greenspan

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #92 am: 02. Mai 2020, 16:43 »
Zitat
@Scherben und Steine
...standen auswärtige Zuschauer immer im Bereich Haupteingang, hinterm dem dortigen Tor....Außerdem hatten um 1970 die wenigsten Vereine Schlachtenbummler/Fans wie wir. Das waren eher normale Zuschauer.

So habe ich das auch in Erinnerung. Ein chemischer Bekannter von mir stand nämlich immer im heutigen Gästeblock- Richtung Dammsitz.

Offline Esca

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #93 am: 02. Mai 2020, 17:38 »
4 Fragen schließen sich mir an. Das Thema Union und Klo hatten wir ja schon und die Sache mit den Befis wurde ja auch schon oft genug aufgerollt.

1. Ich hörte und hatte auch mal von heftigen Auseinandersetzungen mit den Anhängern des FCM in Leutzsch gelesen. Der ganze Gästeblock wurde "geräumt" und Storys ranken sich um Jagdszenen bis hoch nach Böhlitz-Ehrenberg. Was war denn da los? Das sich Sorglose, "FSV" "Leutzsch Legion" und auf der anderen Seite die Magdeburger Domspatzen samt Anhang ab und an Mal gegenseitig ordentlich vermöbelten, war ja bekannt. Aber das es dann und wann solche Dimensionen annahm war mir bis vor ein paar Jahren auch neu. Zumal die Jungs von der "Nova 84" sogar mit Magdeburgern freundschaftlich verbandelt waren.

2. Hat Chemie mal den Dresdener K-Block gestürmt? Darum ranken sich ja auch Mythen. Manche meinen, es wäre auch nur ein Missverständnis gewesen und einige Chemiker wollten nur im Heimbereich Bier holen. Die Dresdner werteten das als Angriff und nahmen die Beine in die Hand... Diese Geschichte klingt sehr skuril, soll sich aber so ähnlich zugetragen haben. Kann da mal jemand Licht in den Nebel bringen?

3. Erfurter wollten wohl zum Auswärtsspiel nach Leutzsch und wurden am HBF gleich mit ihrem Zug von mehreren Chemikern übel hops genommen. Am Ende waren kaum Gästefans im damaligen GSS zu Leutzsch. Wie eigentlich öfter. Was ist davon Wahrheit und was wurde eventuell etwas ausgeschmückt bzw. "aufgehübscht"?

4. Das Verhältnis zum HFC. Von diesem ekligen Tunnel hinterm HBF rankten sich ja auch Mythen und desöfteren ging es dort zwischen Heim- und Gästefans hoch her. Ob da nun Chemie, Lok oder Berliner Truppen anreisten, machte keinen großen Unterschied. Kloppereien gabs eigentlich immer. Auswärts waren die Hallunken meistens nur mit wenigen Hundert Leuten unterwegs, wobei die wohl meist ziemlich unterirdisch unterwegs waren und die mangelnde Masse mit Asozialität "ausglichen". Im Osten aber nun nicht wirklich ungewöhnlich zu der damaligen Zeit. Interessant fande ich Aussagen, wonach es zwischen Leutzschern und HFCern (trugen ja auch "Chemie" im Vereinsnamen) gar keine so große Rivalität gab, wenn man nicht gerade gegeneinander spielte. Es gab sogar Sympathien und Leute beider Seiten schauten auch mal beim anderen vorbei wenn man selber nicht spielte. Dieser gegenseitige Hass aufeinander schaukelte sich erst Anfang der 90er hoch als plötzlich gelangweite HFC-Hools begannen mit den jungen Lok-Hools (VfB-Hooligans) durch die Bundesliga zu reisen. Der HFC war ja nach der Wende sportlich lange Zeit im Nirvana und für "sportliche Betätigung" auf Grund mangelnder potenzieller Gegner eher uninteressant. Die alten Lokis können bis heute nicht wirklich mit den alten HFCern und umgekehrt ist es wohl dasselbe.
« Letzte Änderung: 02. Mai 2020, 17:44 von Esca »
"Habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ Thomas Mann

Offline Klemme66

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #94 am: 02. Mai 2020, 19:31 »
4 Fragen schließen sich mir an. Das Thema Union und Klo hatten wir ja schon und die Sache mit den Befis wurde ja auch schon oft genug aufgerollt.

1. Ich hörte und hatte auch mal von heftigen Auseinandersetzungen mit den Anhängern des FCM in Leutzsch gelesen. Der ganze Gästeblock wurde "geräumt" und Storys ranken sich um Jagdszenen bis hoch nach Böhlitz-Ehrenberg. Was war denn da los? Das sich Sorglose, "FSV" "Leutzsch Legion" und auf der anderen Seite die Magdeburger Domspatzen samt Anhang ab und an Mal gegenseitig ordentlich vermöbelten, war ja bekannt. Aber das es dann und wann solche Dimensionen annahm war mir bis vor ein paar Jahren auch neu. Zumal die Jungs von der "Nova 84" sogar mit Magdeburgern freundschaftlich verbandelt waren.

2. Hat Chemie mal den Dresdener K-Block gestürmt? Darum ranken sich ja auch Mythen. Manche meinen, es wäre auch nur ein Missverständnis gewesen und einige Chemiker wollten nur im Heimbereich Bier holen. Die Dresdner werteten das als Angriff und nahmen die Beine in die Hand... Diese Geschichte klingt sehr skuril, soll sich aber so ähnlich zugetragen haben. Kann da mal jemand Licht in den Nebel bringen?

3. Erfurter wollten wohl zum Auswärtsspiel nach Leutzsch und wurden am HBF gleich mit ihrem Zug von mehreren Chemikern übel hops genommen. Am Ende waren kaum Gästefans im damaligen GSS zu Leutzsch. Wie eigentlich öfter. Was ist davon Wahrheit und was wurde eventuell etwas ausgeschmückt bzw. "aufgehübscht"?

4. Das Verhältnis zum HFC. Von diesem ekligen Tunnel hinterm HBF rankten sich ja auch Mythen und desöfteren ging es dort zwischen Heim- und Gästefans hoch her. Ob da nun Chemie, Lok oder Berliner Truppen anreisten, machte keinen großen Unterschied. Kloppereien gabs eigentlich immer. Auswärts waren die Hallunken meistens nur mit wenigen Hundert Leuten unterwegs, wobei die wohl meist ziemlich unterirdisch unterwegs waren und die mangelnde Masse mit Asozialität "ausglichen". Im Osten aber nun nicht wirklich ungewöhnlich zu der damaligen Zeit. Interessant fande ich Aussagen, wonach es zwischen Leutzschern und HFCern (trugen ja auch "Chemie" im Vereinsnamen) gar keine so große Rivalität gab, wenn man nicht gerade gegeneinander spielte. Es gab sogar Sympathien und Leute beider Seiten schauten auch mal beim anderen vorbei wenn man selber nicht spielte. Dieser gegenseitige Hass aufeinander schaukelte sich erst Anfang der 90er hoch als plötzlich gelangweite HFC-Hools begannen mit den jungen Lok-Hools (VfB-Hooligans) durch die Bundesliga zu reisen. Der HFC war ja nach der Wende sportlich lange Zeit im Nirvana und für "sportliche Betätigung" auf Grund mangelnder potenzieller Gegner eher uninteressant. Die alten Lokis können bis heute nicht wirklich mit den alten HFCern und umgekehrt ist es wohl dasselbe.

Zu 1. Ja, die Magdburger haben 2x richtig eingesteckt, 1980, mit ca. 400 Leuten nach dem Spiel gejagt worden und dann noch 84, da wurde der FCM-Block, wo etwa 150 Leute drin waren, in der 30. Minute gestürmt. Auch 83 waren die FCM-Fans ganz klein, ca. 80 Leutchen und dann irgendiwie zum Schlusspfiff in Luft aufgelöst. Beim Pokal 85 waren erst gar keine FCM-Fans angereist, jedenfalls keine sichtbaren, an einem Mittwoch.
Zu 2. War 1990, draußen warteten ca. 80 - 100 Kinder-Glatzen und Faschos und ein paar Ältere. Von uns so ein Misch-Masch-Mob von 40 Leuten einfach mal so drauf gerannt, die zurück in den K-Block, aber der Block wurde nicht direkt gestürmt, wir sind zwar bis vor den K-Block gekommen, dort waren dann eben welche aus alter Gewohnheit ein paar Schritte runtergerannt, wie von drüben zu beobachten war, aber dann mussten wir auch die Beine in die Hand nehmen, denn irgendwie hats mit dem Nachsetzen nicht mehr so geklappt und die haben auch mitbekommen, dass wir auch nciht gerade die Hauer waren. Der K-Block war übrigens zu der Zeit nur dünn besiedelt, vielleicht 700 Leute, eben der typische Kinderblock, wie fast überall damals.
Zu 3. Ja, mit den Erfurter stimmte so schon, wie beschrieben und oft erzählt, allerdings haben die zuvor auch Gruppen von Chemikern in der Stadt aufs Maul gehauen. Auf dem Bahnhof waren etwa 20 - 25 Leute von der Ostkurve und ca. 45 - 50 Mann von Chemie, von denen sind ne Hand voll stehen geblieben, die haben es dann bekommen. Im Stadion null Erfurter zu sehen.
4. Halle war bis Anfang 80 schon gefürchtet, Halle Ost vor allem. Auswärts waren tatsächlich keine Massen unterwegs, aber immer schön konstant die gleiche Masse. Bloß nach Leipzig, grad zu Lok sind bis Anfang 80 save immer ca. 3000 Hallenser eingerückt. Lok und Halle war zu DDR-Zeiten Hass pur. Die Freundschaft von Halle zu Lok hat übrigens einer der Alten von Lok eingefädelt, der die ersten Kontakte vermittelte. Der ältere der Sp....-Brüder.
« Letzte Änderung: 03. Mai 2020, 13:17 von Klemme66 »

Offline R. Polter

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #95 am: 03. Mai 2020, 11:06 »
Ich war damals Kind, und nicht alles war und ist immer ganz klar, aber ich hatte den Eindruck, dass so um 1972 immer auch ziemlich viele Gäste-Zuschauer (ich sage bewußt nicht: Fans) unter den chemischen Zuschauern standen, (weniger am Norddamm, weniger an Tribüne und Dammsitz, aber am Vereinshaus und dort, wo heute der Familienblock ist). An der Bockwurstbude, die damals dort nahe dem Kiosk stand, wo man Fotos, Wimpel und Anstecknadeln kaufen konnte, bildeten sich in den Pausen natürlich endlose Schlangen. Da kam es auch fast jedes Mal zu "Einzelbegegnugen", denn plötzlich sah man sich bei  den mehr oder weniger regungslos Anstehenden die Enbleme und Aufnäher deutlicher an (Schals gab es noch nicht wirklich). Die wurden dann regelmäßig "abgegriffen". Für mich, als Kind, der Wahnsinn. Du stehst da in der Kälte, bibbernd, von der Pause an und hoffst, dass Du vor dem Abpfiff noch deine Bockwurst bekommst. Einen Wimpel willst du auch noch, also nochmal an die Bude mit den (vergoldeten?) Metall-Streben und den Glasfenstern angestellt; und um dich rum kloppen sie sich heftig die Zähne raus! Noch immer vermisse ich die Zitronenlimonade im Winter, dass Spiel gegen Hansa im Januar 74 habe ich bei eisigster Kälte nur dank dieser überlebt. Weigerte mich standhaft gegenüber Mutti, Handschuhe anzuziehen und verhasste Bummel-Mützte aufzusetzen. Ein wahres Wunder, dass ich allein zu den Spielen durfte. Mein Bruder berichtete aus der Zeit 64-69, dass man sich auch heftig mit den damals in Mode gewesenen Schirmen duelliert hat, mit Vorliebe von oben drauf auf den Gäste-Fan, der zwei Reihen weiter unten stand. 1967oder 1968 ist an der Endstelle bei ner Prügelei einer unter die gerade abfahrende Straßenbahn gefallen, Fuß ab. Says my brother.
« Letzte Änderung: 03. Mai 2020, 11:15 von R. Polter »

Offline Klemme66

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #96 am: 03. Mai 2020, 11:45 »
Also dass außer von Chemie vor 1970 kaum Auswärtskolonnen fuhren, kann ich zwar aus eigenen Erfahrungen nicht sagen, aufgrund meines BJ66, aber es gibt ja mittlerweile auch genug Literatur, unteranderem gabs mal ein Magazin, NOFB-Fußball, da stand einiges drin. Aber hier mal ein kleines Dokument, auch wenn es eigentlich nicht zu Chemie gehört. Tausende Geraer waren 66 bei Lok Zwickau zum entscheidenden Spiel zum Aufstieg.
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« Letzte Änderung: 03. Mai 2020, 11:53 von Klemme66 »

Offline Greenspan

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #97 am: 03. Mai 2020, 12:32 »
...Mein Bruder berichtete aus der Zeit 64-69, dass man sich auch heftig mit den damals in Mode gewesenen Schirmen duelliert hat, mit Vorliebe von oben drauf auf den Gäste-Fan, der zwei Reihen weiter unten stand...
Eine "Schirmklopperei" habe ich Anfang der siebziger im Block neben dem Vereinshaus beobachtet. Gleich neben dem heutigen Gästeblock. Einer der sich mitten im Spiel als Auswärtiger zu erkennen gab, kassierte mehrere Schirmstockschläge und flüchtete daraufhin.

Auf dem Norddamm gab es auch mal untereinander Stunk. Ein Fan mit einem Riesenschirm sollte von dort vertrieben werden, weil die Leute hinter Ihm nichts mehr sahen. Weil er uneinsichtig war, wurde er dann von hinten berotzt.  :D
Übrigens war das Rotzen damals weit verbreitet. Siehe Spielergang zu den Kabinen. Aber das ist eine andere Geschichte... :D

Offline Scherben und Steine

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #98 am: 03. Mai 2020, 14:05 »
Also dass außer von Chemie vor 1970 kaum Auswärtskolonnen fuhren, kann ich zwar aus eigenen Erfahrungen nicht sagen, aufgrund meines BJ66, aber es gibt ja mittlerweile auch genug Literatur, unteranderem gabs mal ein Magazin, NOFB-Fußball, da stand einiges drin. Aber hier mal ein kleines Dokument, auch wenn es eigentlich nicht zu Chemie gehört. Tausende Geraer waren 66 bei Lok Zwickau zum entscheidenden Spiel zum Aufstieg.
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So ein wichtiges Entscheidungsspiel würde ich aber nicht überbewerten. Als Beispiel seien die Endspiele im Gewerkschaftspokal angeführt, die ab ca. 1976 immer im Ost-Berliner Stadion der Weltjugend stattfanden. Da ist fast jeder (!) Pokalfinalist mit 10.000 Leuten angerückt. Bei Vorwärts Frankfurt waren es (ich glaube gegen Lok, um 1977) zwar "nur" 3000 oder 4000, aber die hatten meines Erachtens im Oberliga-Alltag in schnitt gerade mal so um die dreitausend.

Was will ich sagen: Selbst ohne grün-weiße Chemie-Brille sollte klar sein, dass das - was Chemie (wir) zwischen 1964 und ca. Mitte der siebziger Jahre auf die Beine gestellt haben - einmalig im Osten war. Ab 1976 trat dann Union und andere dieses Erbe an. Dresden hatte zwar auch sehr viele Mitfahrer, aber einen stimmgewaltigen und respektablen Mob erst nach ihrem Wiederaufstieg in die Oberliga (so um 1971?).

Das Phänomen "Mob" wurde auch wahrgenommen. U.a. in kritischen Leserzuschriften in der FuWo wo man sich ausdrücklich über den Chemie-Mob beklagte. das muss so um 1968 gewesen sein. Natürlich spielte bei dem Gesamtphänomen "Fußballfans" auch eine große Rolle, dass die sich (wir uns) noch nicht so kenntlich machen konnten. Insofern ist das Kapitel bei Jens Fuge über "wann gab es die ersten Chemie-Schals" so instruktiv und lehrreich, weil damit gleichsam (so meine Meinung) der Herden-Instinkt und die Massenzugehörigkeit zum "Fan" geboren war. Bei uns war dies eben so um 1974, aber wohl erst nach dem Abstieg. Bis dahin waren Fahnen angesagt, schlagartig dann Schals. Die rothaarige Würze aus Delitzsch (2 Meter-Hühne, aber fast immer mit seiner Triola) war wohl der erste mit Schal. Vgl. J.F.

Und Union war um 1973/74 faktisch unbedeutend. Die hatten ja selbst in ihrem Aufsteigsjahr 1976 in der Liga-Staffel B nur einen Zuschauerschnitt von rund 3.000. bei denen ging es dann aber so richtig ab.

Wie ich dies schreibe, fällt mir jedoch ein Widerspruch ein. Erich Löst hat ja in einem Krimi (von wann???) die leutzscher Fußballatmosphäre beschrieben. Wie gesagt, in einem Krimi. Aber da schreibt er aber auch, von einigen Tausend Unionern in leutzsch und von großer Stimmung, von Gesängen "Preußen" u.ä.. Das Heftchen (Blaulicht) erschien aber definitiv vor dem gewitterspiel im Juni 75.

(naja, man wird alt und das Gedächtnis löchrig  :(

Offline Esca

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #99 am: 03. Mai 2020, 14:55 »
Jetzt wo du es sagst, meine ich mal gelesen zu haben, dass bei irgendeiner Massenpanik oder Ausschreitungen Mitte der 70ger ein Unioner vorm damaligen GSS sein Leben verlor? Ist davon etwas bekannt?
Und dann wäre da noch die Sache mit dem Unioner, wie weiter oben schon mal erfragt, der am Leutzscher Bahnhof in den 80ern bei Ausschreitungen einen Stein ins Gesicht bekam, nachdem der Berliner Sonderzug massiv mit Schottersteinen beworfen wurde. Entspricht das den Tatsachen?
Und als letztes noch ein Geraer, der wohl bei unserem Auswärtsspiel dort 82 oder 83 eine Chemie-Fahne vom Zaun klauen wollte und bei dem (unbedachten) Versuch von Chemiefans erwischt und so heftig verprügelt wurde, dass er später angeblich im Krankenhaus sogar an den Folgen seiner Verletzungen verstarb?!
Ach so. Und in dem Zusammenhang erzählte man mir auch mal was von einem tragischen Vorfall auf dem Hexentanzplatz in Thale. Da soll es im Vorfeld zu einem Ligaspiel von uns auch zu einem tragischen Unfall mit schlimmen Ende für den Verletzten gekommen sein.

In den Medien fand sowas damals wohl kaum bis gar nicht Beachtung. Da gabs nur brave DDR-Bürger...
« Letzte Änderung: 04. Mai 2020, 00:19 von Esca »
"Habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ Thomas Mann

Offline Klemme66

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #100 am: 03. Mai 2020, 15:35 »
Jetzt wo du es sagst, meine ich mal gelesen zu haben, dass bei irgendeiner Massenpanik oder Ausschreitungen Mitte der 70ger ein Unioner vorm damaligen GSS sein Leben verlor? Ist davon etwas bekannt.
Und dann wäre da noch die Sache mit dem Unioner, wie weiter oben schon mal erfragt, der am Leutzscher Bahnhof in den 80ern bei Ausschreitungen einen Stein ins Gesicht bekam, nachdem der Berliner Sonderzug massiv mit Schottersteinen beworfen wurde. Entspricht das den Tatsachen?
Und als letztes noch ein Geraer, der wohl bei unserem Auswärtsspiel dort 82 oder 83 eine Chemie-Fahne vom Zaun klauen wollte und bei dem (unbedachten) Versuch von Chemiefans erwischt und so heftig verprügelt wurde, dass er später angeblich im Krankenhaus sogar an den Folgen seiner Verletzungen verstarb?!
Ach so. Und in dem Zusammenhang erzählte man mir auch mal was von einem tragischen Vorfall auf dem Hexentanzplatz in Thale. Da soll es im Vorfeld zu einem Ligaspiel von uns auch zu einem tragischen Unfall mit schlimmen Ende für den Verletzten gekommen sein.

In den Medien fand sowas damals wohl kaum bis gar nicht Beachtung. Da gabs nur brave DDR-Bürger...

Solche Gerüchte gab es immer mal, aber wäre da wirklich ein Mord oder Totschlag passiert, da hätte es richtig Verhörwellen mit Massenverhaftungen gegeben. Es wurde vieles abgezogen, von der Jeansjacke, Aufnähern, Schal, Ledermantel bis hin zu Trampern. Das ging natürlich nicht immer freiwillig von statten. Kiefernbrüche, Nasenbeinbrüche usw. gabs schon mal. Aber wenn es Tote gegeben hätte, wäre das spätestens zur Wende rausgekommen oder neu aufgerollt. Das einzige was sicher ist, zwei Lokisten sind im Suff mal unter den Zug gekommen. Einer verlor ein Bein und der andere zwei Beine. Soll aber jetzt kein Aufruf zur Häme sein.

Offline Günni

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #101 am: 04. Mai 2020, 18:54 »
...
4. Halle war bis Anfang 80 schon gefürchtet, Halle Ost vor allem. Auswärts waren tatsächlich keine Massen unterwegs, aber immer schön konstant die gleiche Masse. Bloß nach Leipzig, grad zu Lok sind bis Anfang 80 save immer ca. 3000 Hallenser eingerückt....
Ich erinnere mich, als sie Oktober '79 bei uns "gastierten", da standen mindestens 2000 hinterm Gästetor und in Richtung Geschäftsstelle um die Ecke. Die Polizei musste während des Spiels auf's Feld, weil die Hallunken ausgetickt sind.

Offline Klemme66

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #102 am: 10. Mai 2020, 11:17 »


Offline Esca

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #103 am: 12. Mai 2020, 23:22 »
Hat zwar nur am Rande mit Chemie zu tun aber hier wird mal in Bild und Ton aufgezeigt, was sich in den Wendejahren am Rande von Fußballspielen abspielte. Nicht nur der Mauerfall und die Grenzöffnungen waren Schuld an immer leerer werdenden Stadien. Der Hooliganismus schwappte endgültig von West nach Ost und vertrieb nicht wenig Zuschauer für längere Zeit aus den Stadien.
Gerade im Osten wurden zahlreiche Spiele zu einer Spielwiese für „Freunde der 3. Halbzeit“.
Ab Minute 17 wird nochmal darauf eingegangen, zumal Bildmaterial solcher Vorfälle aus der Zeit vor 1989 eher spärlich vorhanden ist und wenn, vornehmlich nur auf Videos der Bereitschaftspolizei und Organen der Staatssicherheit fußen. Für die staatlichen Medien der DDR fanden solche Szenen nach Möglichkeit gar nicht statt. Erst ab November 1989 rückte dieses Phänomen am Rande von Fußballspielen in der untergehenden DDR medial stärker in den Mittelpunkt. An Hand dieser Reportage rund um das letzte FDGB - Pokalfinale SG Dynamo Dresden - Dynamo Schwerin wird auch darauf eingegangen.
Blutiger Höhepunkt der Ereignisse war der Tod des Berliner Fußballfan Mike Polley am Rande des Spieles FC Sachsen Leipzig - FC Berlin am 03. November 1990 durch Polizeikugeln in Folge schwerer Krawalle. Spielt aber in dieser Reportage keinerlei Rolle.

« Letzte Änderung: 13. Mai 2020, 00:43 von Esca »
"Habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ Thomas Mann

Offline Esca

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Re: BSG Chemie Leipzig "Historisches"
« Antwort #104 am: 14. Mai 2020, 22:13 »
Vielleicht die authentischste Reportage zu diesem Thema rund um die Wende- und Nachwendezeit.


Und um es anschließend rund zu machen, noch eine wissenschaftliche Betrachtung der Bundeszentrale für politische Bildung dazu. Wer etwas Zeit hat.
https://m.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/135223/hooliganismus-in-der-ddr
« Letzte Änderung: 14. Mai 2020, 22:30 von Esca »
"Habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“ Thomas Mann