Es liegt eine knisternde Spannung über dem Viertel. Wie damals, als Karten für die Aufstiegsspiele zur ersten ostdeutschen Spielklasse im Leipziger Informationszentrum zu wohlfeilen Preisen in Windeseile ausverkauft waren und alle nur auf den Samstag oder Sonntag warteten.
Ob auf den Freisitzen der Biergärten, beim Bäcker oder einfach auf der Straße scheint es nur noch ein Thema zu geben.
(Nach wie vor gehört Chemie nämlich zur Identität dieser Stadt. Und das wieder spürbarer als in etlichen Jahren zuvor. Insofern trägt die Stadt auch ein Teil gehörige Verantwortung dafür, daß Bürgerinnen und Bürger Leipzigs, die derzeit wegen der begrenzten Zuschauerkapazität nicht dabeisein können, obwohl sie dies gerne möchten, es in absehbarer Zukunft wieder tun können wie damals zu den Aufstiegsspielen, als der Georg-Schwarz-Sportpark buchstäblich aus den Nähten platzte.)
Den Älteren von uns wird noch das letzte Heimspiel von 83/84 in Erinnerung sein, als gegen Union gegen den Abstieg gespielt wurde. Wie sagte Hansi Leitzke so schön: "Alle dachten, nur ein Unentschieden und dann Party machen." Es kam anders, was uns immerhin die beiden unvergeßlichen Entscheidungsspiele bescherte, die zu den Höhepunkten der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte im Fußball zählen.
Also müssen die Jungs heute von der ersten Sekunde an hellwach sein, eine verschworene Truppe, die nur ein Ziel kennt.
Und wenn am Abend dann, wie so sehr erhofft, die Raketen in den Nachthimmel fliegen, weiß es ganz Leutzsch, die ganze Stadt: Chemie ist gekommen, um zu bleiben.