Ich hab das Stahnsdorf-Spiel nicht gesehen. Aber offenbar sind wir noch gerade so mit einem blauen Auge davon gekommen. Das man sich von denen so derart unter Druck setzen lässt (so klang es im Ticker) ist aus meiner Sicht der erste unerwartete Rückschlag was die Leistung betrifft (also unabhängig vom Ergebnis). Klar, Unterzahl aber dennoch. Es gibt viele Erklärungen für den aktuellen Tabellenplatz:
- unsere Spieler sind individuell einfach nicht gut genug um sich von denen der Gegner abzusetzen. Ich finde das muss man auch einfach mal akzeptieren und seine Erwartungshaltung mal ein wenig anpassen. Warum das so ist? Keine Ahnung ich scoute die potentiellen Spieler nicht, ich weiß nicht was sie kosten und was wir bieten. Ganz blind können die Verantwortlichen nicht sein (Winterfenster). Aber das ein Sodji z.B. aktuell deutlich unter dem Liga-Niveau agiert, sieht man. Fakt ist: das werden wir nur mit Verpflichtungen ändern können und ich sehe keine hier keine 3,4 Top-Spieler aufschlagen. Klar können wir uns selbst bemitleiden, dass Stahnsdorf einen guten Spieler verpflichten konnte und wir nicht. Ich bin auch enttäuscht, dass wir individuell (mit Ausnahme Bürger und Kratzer) so wenig ausrichten können. Aber vielleicht warten wir mal noch den August ab, schauen ob noch wer kommt und fangen dann an die Transferpolitik komplett in Frage zustellen.
- wir bekommen es teamtaktisch bisher noch überhaupt nicht hin, die individuellen Nachteile bestmöglich aufzuwiegen. Auch hier hatte ich mir mehr erhofft, klar. Ich habe auch nicht erwartet, dass Alexander Schmidt so viel experimentiert (6 Verteidiger gegen Halle aufstellen z.B.). Das lief die ersten 5,6 Spiele in der letzten Rückrunde ja genau so (Fantozzi als LV spielen lassen und solche Dinger). Ich dachte das wäre damals einfach der wenigen zeit, die man hatte, geschuldet. Aber scheinbar hat die Sommervorbereitung nicht gereicht um ein (auch für den Trainer) zufriedenstellendes Gerüst zu bauen. Hier bleibt einfach die Hoffnung, dass man irgendwie die Kurve bekommt und sich zumindest über das Niveau von Tas, Stahnsdorf und Luwa zu kämpfen. Ich war vor Saisonbeginn deutlich zuversichtlicher, dass das gelingt. Aktuell ist das leider nicht so
- langsam beschleicht mich das Gefühl, dass hier schon wieder ein ziemlich toxischer Mix aus Erwartungshaltung innerhalb der Mannschaft, Erwartungshaltung außerhalb der Mannschaft, verletzten Spielern (Bürger wird uns noch richtig weh tun, Friedrich wäre einer, der mehr am ball kann als die meisten, es fehlen 2 weitere Optionen im zentralen Mittelfeld) fehlenden Erfolgserlebnissen und dem Tabellenplatz zu entstehen, der zunehmend erdrückend wirkt. Wie gesagt, ich habe das letzte Spiel leider nicht verfolgen können aber es sah auch bis zur 20.sten Minuten wohl nicht nach druckvollen Spiel unserer Mannschaft aus. Wir mögen den Stahnsdorfern auf individueller Ebene nicht weit genug voraus sein aber es muss reichen um mit denen mithalten zu können. Dazu gehört aber nicht nur eine taktische Marschrute, sondern der nötige Mut. Wenn der Gedanke im Kopf sitzt, dass man von sich mehr erwartet, dass "endlich" Erfolg her muss, dass wir uns nicht noch einen Rückschlag leisten können, dann macht das schon etwas aus. Dann spiele ich den riskanten ball nicht, dann lasse ich nicht direkt klatschen, dann laufe ich nicht im Sprint nach vorne, weil ich ne Lücke hinterlasse. Und genau dann kann der Gegner uns easy verteidigen. Denn die individuelle Qualität reicht halt bei uns nicht um das auszumerzen. Man hört es dem Wendter auch in jedem Interview an wie enttäuscht (zu Recht natürlich) man ist. Das hat sicher was mit Ehrgeiz zu tun. Und ich denke auch etwas mit Verantwortungsgefühl (auch für Verein und Umfeld). Eigenschaften, die für einen Mannschaftskapitän ausmachen. Aber das sind Dinge, die einen auf jeden Fall hemmen. Ich glaube, dass das mittlerweile leider eine wichtige Rolle spielt. Gegen Halle ein 0:0 zu retten, wäre wichtiger gewesen als der Punkt in Berlin. Aber ich will nochmal betonen, dass das nicht der einzige Aspekt ist, den ich für unsere Misere verantwortlich machen. Eine Rolle spielt das aber ganz sicher, wenn ihr mich fragt.
Wie muss es jetzt weiter gehen? Indem es weiter geht, halt. Nicht den Kopf verlieren, weiter daran arbeiten, dass man zumindestens hinten solide steht. Das darf nicht aus den Augen gelassen werden, bei all der Arbeit, die in das Offensivspiel investiert werden muss und wird. Und schauen, dass man noch ein paar Leute dazu holt, wenn es die Börse hergibt. Das man nicht länger erwartet, dass man einstellig ins Ziel läuft, sollte sich erledigt haben leider.