aus der LVZ vom 14.08.2026
Neuer Bebauungsplan: Große Hürden für Ausbau des Kunze-Sportparks und Chemie Leipzig
Die BSG Chemie Leipzig will die Zuschauerkapazität erhöhen. Nun gibt es eine Beschlussvorlage zum Bebauungsplan des Alfred-Kunze-Sportparks. Das Papier enthält viele Passagen, die klar machen: Unter den derzeitigen Bedingungen ist eine Erweiterung der Kapazität nicht möglich.
Das für die Entwicklung der BSG Chemie Leipzig derzeit wichtigste Vorhaben lautet: die Erhöhung der Zuschauerkapazität. Die Grenze von aktuell 4.999 zugelassenen Fans im Alfred-Kunze-Sportpark soll perspektivisch auf 8.000 bis 10.000 gebracht werden. Mehr Zuschauerinnen und Zuschauer, das bedeutet höhere Ticketeinnahmen, erhöhtes Interesse bei Sponsoren und größere Entwicklungsmöglichkeiten. Das Problem: Die Erweiterung ist an knallharte Maßnahmen geknüpft. Und die kosten Geld. Viel Geld. Aber der Reihe nach.
Die Leipziger Stadtverwaltung hat den Ratsmitgliedern den Bebauungsplan Nr. 456 „Alfred-Kunze-Sportpark“ vorgelegt. Dessen Ziel ist „die Schaffung der bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für das Fortbestehen des Sportparks sowie eine standortverträgliche Entwicklung als Sportanlage“. So steht es in der Einleitung des 114 Seiten starken Papieres.
Dort wird in schönster Behördensprache auch gleich das Problem an den Erweiterungsplänen beschrieben. Denn das Stadion liegt bekanntlich eingebettet zwischen Wohngebiet und Auwald. „Es gilt, die Belange der Sportnutzung einschließlich des Sportlärms und die teils hohen Besucheraufkommen bei Sportveranstaltungen, der schutzbedürftigen Wohnnutzungen sowie die des Gewerbes (angrenzend an das Plangebiet) zu berücksichtigen und miteinander in Einklang zu bringen”, heißt es darin.
Und weiter: „Zugleich zeigen die Schutzgebietskulisse des Leipziger Auwaldes und das Überschwemmungsgebiet der Weißen Elster, ebenso wie die eingeschränkte verkehrliche Erschließung, die Grenzen einer Entwicklung am Standort auf“.
Einige Passagen dürften bei den Verantwortlichen der BSG Chemie kaum Freudenstürme aufkommen lassen. Auf Seite 26 heißt es etwa: „(Es)… zeichnet sich allerdings auch ab, dass unter den vorhandenen Gegebenheiten kein umfassender Aufwuchs möglicher Besucherzahlen für Sportveranstaltungen am Standort möglich sein wird."
Und weiter: „Der von der BSG Chemie formulierte Wunsch, die Entwicklung des Stadionstandortes in Verbindung mit einem Ligaaufstieg zu bringen, ist unter den gegebenen ökologischen, erschließungsseitigen und immissionsschutzrechtlichen Rahmenbedingungen und unabhängig von der Aufstellung dieses B-Planes, nicht erreichbar“.
Weitere Probleme: die Parksituation sei bereits aktuell so herausfordernd, dass auch aufgrund dessen „ein erheblicher Aufwuchs der BSG Chemie (z.B. in eine höhere Liga) am Standort nicht zielführend verfolgt werden kann“. Themen wie die Sicherung von Stellplatzflächen, die Trennung von Fanströmen oder das Unterbinden von Wildparken im angrenzenden Wald, „können nicht über diesen B-Plan gelöst werden, sondern bedürfen, wenn dann dem Nachhalten anderer rechtlicher Grundlagen und begleitender Ordnungsmaßnahmen“.
Perspektivisch wird dem Verein die Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes nahegelegt. Möglichkeiten wären ein Parkdeck gegenüber des Haupteinganges des AKS, Ausweichstellplätze mit Shuttleverkehr oder Eintrittskarten mit ÖPNV-Ticket. Die gibt es beispielsweise bei RB Leipzig. Auch ein Ausbau bzw. eine Verbesserung des Fuß- und Radverkehrs wird empfohlen. Mögliche Ansätze zur Sicherung der Fuß- und Radverkehrsströme sind u.a. eine Verbesserung der Auwaldwege, temporäre Geschwindigkeitsreduktion und eine Begleitung der Fangruppen zum/vom ÖPNV.
Auch der Schallschutz wirft derzeit unüberwindbare Hürden für den Verein auf. Mehr Zuschauer bedeuten mehr Lärm. Es macht einen Unterschied ob knapp 5000 Fans ein Tor bejubeln oder sich knapp 10.000 Menschen die Freude aus den Lungen schreien. Der B-Plan sieht deshalb „im südlichen und westlichen Zuschauerbereich [...] eine Fläche für Vorkehrungen zum Schutz gegen schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“ vor. Heißt übersetzt: Hinter dem Gästeblock und dem Dammsitz benötigt es Schallschutzanlagen.
Wir werden weiter hart kämpfen müssen, um das große Ziel zu erreichen – besonders vor dem Hintergrund, dass wir die notwendigen Mittel überwiegend oder gar in Gänze selbst aufbringen müssen. Schon vor Monaten bezifferte die BSG Chemie mögliche Kosten allein für den Gästeblock auf mindestens eine Million Euro. Zudem befinden sich in diesem Bereich schützenswerte Bäume. Die müssen laut Stadt erhalten werden.
Alles in allem also ernüchternde Nachrichten für den Fußballverein aus Leutzsch. Sind die Pläne für einen Ausbau also vom Tisch? Die Stadt Leipzig antwortet darauf auf LVZ-Anfrage: „Die Festlegung einer maximalen Zuschauerzahl ist über einen Bebauungsplan nicht möglich. Die zulässigen Zuschauerkapazitäten werden auf der Ebene nachfolgender Genehmigungen und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, des Schutzes der Wohnnachbarschaft sowie der Umweltbelange, der Erschließung und von Sicherheitsaspekten etc. entschieden“.
Sebastian Goltzsch vom Planungsbüro VTVR, das den Verein schon seit 2018 intensiv betreut, sieht die vorgelegten Pläne nicht negativ. „Generell ist dieser B-Plan erst einmal positiv zu bewerten, weil er die Interessen von Verein und Sportpark im Einklang mit den anderen Interesseninhabern sichtbar macht und Entwicklungsmöglichkeiten verbindlich zu Papier bringt“, sagt er.
Zur Gesamtbetrachtung gehöre auch, zu sehen, woher man eigentlich komme. „Als der B-Planprozess vom Stadtplanungsamt im Jahr 2020 in Gang gesetzt wurde, stand der AKS – das muss man so klar sagen – vor einer möglichen Nutzungseinschränkung“, so Goltzsch. Nun werde die Grundlage dafür geschaffen, dass eine weitere Entwicklung des Sportparks im Rahmen geltenden Bundes- und Landesrechtes möglich sein wird.
In Bezug auf die – jedenfalls aus Laiensicht – in seiner Tonalität deutlichen Passagen hinsichtlich der Kapazitätserweiterung erklärt Goltzsch gegenüber der LVZ: „Was der Bebauungsplan eben klar macht, ist, dass unter den aktuellen Gegebenheiten, speziell mit Blick auf Lärmschutz, Sicherheitskonzept, Brandschutzkonzept, Stellplatznachweis mit Mobilitätskonzept, keine Kapazitätserweiterung ohne entsprechende Baugenehmigungen realisierbar ist.“ Und die können laut Chemies Generalplaner weiter beantragt werden.
Insgesamt ist der Entwurf des Bebauungsplans für Sebastian Goltzsch folglich kein Grund zur Panik – und definitiv kein unverrückbarer Bremsklotz für die weitere Entwicklung von Verein und Sportpark. „Um es einmal klar auszusprechen: Wir sind hier als Chemie kein Opfer, dem mutwillig Steine in den Weg gelegt werden.“ Für den Generalplaner ist klar: „Wir werden weiter hart kämpfen müssen, um das große Ziel zu erreichen – besonders vor dem Hintergrund, dass wir die notwendigen Mittel überwiegend oder gar in Gänze selbst aufbringen müssen. Aber wir haben schon sehr viel erreicht und werden diesen Kampf weiterführen.“
Der Bebauungsplan soll Ende September vom Leipziger Stadtrat beschlossen werden.