„Die Mauer muss weg!“

An dieser Stelle möchten wir gerne einen an uns herangetragenen Brief eines Chemikers veröffentlichen:

Die Mauer muss weg!

Ein Chemiker ist seit dem Leutzscher Mauerbau vor drei Jahren nicht mehr ins Stadion gegangen. Jetzt hält er es nicht mehr aus und ruft zur Wiedervereinigung auf.

Liebe Mitglieder und Freunde des FC Sachsen Leipzig,
liebe Mitglieder und Freunde der BSG Chemie Leipzig,

seit Sommer 2008 gehen wir nun zu zweit durch die Fußballgeschichte. Dass es noch keine ernsthaften Zwischenfälle an der innerleutzscher Grenze gab, ist fast schon an ein Wunder. An verbalen Tretminen, ideologischen Selbstschussanlagen und betonkopfharten Mauern fehlt es allerdings nicht. Und für viele Chemiker gibt es nicht mehr DEN Leutzscher Verein, den sie mit heißerer Stimme zum Sieg brüllen können. Ich gehöre dazu. Seit dem Sommer 2008 habe ich kein Spiel mehr im Alfred-Kunze-Sportpark gesehen. Was nicht nur daran liegt, dass 513 Kilometer zwischen Leutzsch und meiner Wahlheimat Reutlingen liegen. Sondern auch daran, dass ich die Leutzscher Trennung nie anerkannt habe.

Nun ist gut! 20 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung werden die Leutzscher Sturköpfe doch mal beweisen können, dass außerdem noch Helden in ihnen stecken. Und vielleicht kriegen wir das ja auch ohne Montagsdemos, Gebeten in der Nikolaikirche und Begrüßungsgeld hin. Die Gegner der Wiedervereinigung halte ich allerdings schon für ausgemacht: Sie heißen „persönlicher Grabenkampf“, „politische Meinungsverschiedenheit“, „verfestigtes Vorurteil“ und „verletzte Eitelkeit“. Alles keine Tugenden, mit denen Bauchspieß, Scherbarth, Walter und Co. 1964 Meister geworden sind.

Aber besinnen wir uns nicht fast schon religiös auf dieses Fußballmärchen? Und waren wir nicht mal ein Verein mit einer grün-weiße Fangemeinde? Waren wir uns nicht mal darin einig, dass wir Anhänger des genialsten Fußballclubs auf der ganzen Welt sind? Haben wir nicht im Alfred-Kunze-Sportpark nebeneinander gestanden, Siege bejubelt, Niederlagen weggesteckt, Lizenzentzüge ertragen und Aufstiege gefeiert? Jetzt sind wir es dem Leutzscher Fußball schuldig, uns wieder die Hände zu reichen.

An den Folgen von 40 Jahre Trennung haben die beiden deutschen Staaten noch heute zu kauen. Lasst es nicht so weit kommen, dass sich die beiden grün-weißen Vereine noch weiter entfremden. Denkt daran, dass die Leutzscher Legende wohl nur am Leben bleibt, wenn nicht an zwei Enden an ihr gezerrt wird.

Ich glaube an die Leutzscher Einheit. Wenn wir die geschafft haben, fahre ich nach Leutzsch und begrüße die Maueröffnung – natürlich nicht mit einer schwarz-rot-goldenen, sondern mit einer grün-weißen Fahne in der Hand.

Hoffnungsvolle Grüße

Alex

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